Ursache und Wirkung

Ursache und Wirkung

Marc Ruef
von Marc Ruef
Lesezeit: 5 Minuten

Im Bereich der Computersicherheit, namentlich in Bezug auf Sicherheitüberprüfungen, wird oftmals mit Terminologien gehadert. Abseits von diffusen technischen Definitionen treten aber auch in der allgemeinen Umgangssprache potentielle Missverständnisse auf. In diesem Zusammenhang soll das Fehlen einer klaren Definition der folgenden Beiden Begriffe diskutiert werden:

Das Ausnutzen einer Schwachstelle setzt also stets eine Ursache voraus. Durch das Heranziehen einer Technik zur Ausnutzung dieser wird die gewünschte Wirkung provoziert:

Ursache ⇒ Ausnutzung ⇒ Wirkung

Als Ursache kann das Fehlen einer Eingabeüberprüfung verstanden werden. Diese kann zu einer Reihe von Angriffsmöglichkeiten führen. Beispielsweise kann eine SQL-Injection gegeben sein, deren Ausnutzung zu erweiterten Zugriffsmöglichkeiten auf der Datenbankebene führen kann:

Fehlerhafte Eingabeüberprüfung ⇒ SQL-Injection ⇒ Erweiterter Datenbankzugriff

Oftmals herrscht Verwirrung darüber, was nun eine Ursache und was eine Wirkung ist. Nachfolgende Liste versucht exemplarisch aufzuzeigen, wie die verschiedenen Fehlerquellen, Angriffstechniken und Auswirkungen kategorisiert werden können:

Informationen
⇒ Fehlerhafte Zugriffe Sonderzeichen, nicht abgeschlossene Eingaben
  ⇒ Sensitive Informationen Benutzernamen, Passwörter, …
  ⇒ Personenbezogene Informationen Namen, Anschrift, Mailadressen, …
  ⇒ Technische Informationen Technische Details (z.B. interne IP-Adressen)
Eingabeüberprüfung
⇒ Pufferüberlauf Überlange Eingaben überschreiben Speicherbereiche
  ⇒ Ausführen von Programmcode Ändern des EIP zum Laden eigenen Programmcodes
  ⇒ Denial of Service Fehlerhaftes Überschreiben von Speicherbereichen
⇒ Format String Formatierungstoken verändern Programmverhalten
  ⇒ Ausführen von Programmcode Ändern des EIP zum Laden eigenen Programmcodes
  ⇒ Denial of Service Fehlerhaftes Überschreiben von Speicherbereichen
⇒ SQL-Injection SQL-Statements erlauben Datenbankzugriffe
  ⇒ Datenbankleserechte Injizieren von lesenden SQL-Statements
  ⇒ Datenbankschreibrechte Injizieren von schreibenden SQL-Statements
  ⇒ Ausführungsrechte Ausführen von Programmen (z.B. xp_cmdshell)
  ⇒ Denial of Service Überlasten von Ressourcen, Löschen von Objekten
⇒ Script-Injection Injizieren von Script-Anweisungen
  ⇒ Leserechte Lesezugriffe auf Webseite/Webbrowser
  ⇒ Schreibrechte Schreibzugriffe auf Webseite/Webbrowser
  ⇒ Ausführungsrechte Ausführung von Scripten auf Webseite/Webbrowser
  ⇒ Denial of Service Überlasten von Ressourcen (z.B. Loops)
⇒ Directory Traversal Injizieren von Pfadanweisungen (z.B. ../)
  ⇒ Dateileserechte Lesezugriffe auf geschützte Bereiche
  ⇒ Dateischreibrechte Schreibzugriffe auf geschützte Bereiche
  ⇒ Dateiausführungsrechte Ausführung von geschützten Programmen
  ⇒ Denial of Service Überlasten von Ressourcen
⇒ OS Command Injection Injizieren von Programmanweisungen
  ⇒ Systemausführungsrechte Ausführung von geschützten Programmen
  ⇒ Systemleserechte Lesezugriffe auf geschützte Bereiche
  ⇒ Systemschreibrechte Schreibzugriffe auf geschützte Bereiche
  ⇒ Denial of Service Überlasten von Ressourcen
Verschlüsselung
⇒ Kryptoanalyse Brechen eines kryptografischen Mechanismus
  ⇒ Lesezugriffe Einsehen geschützter Kommunikationen/Bereiche
  ⇒ Manipulationen Verändern geschützter Kommunikationen/Objekte
  ⇒ Analyse Indirektes Verständnis für Kommunikationen/Objekte
  ⇒ Denial of Service Überlasten v. Ressourcen, Löschen v. Informationen
Ressourcen
⇒ Überlastung Ausschöpfen verfügbarer Ressourcen
  ⇒ Denial of Service Verhindern legitimer Abarbeitung/Zugriffe
  ⇒ Downgrade Schutzmechanismen (z.B. Verschlüsselung schwächen)

Die Anzahl der Unterkategorien zeigt auf, dass die meisten Sicherheitsprobleme in Applikationen auf fehlerhafte oder fehlende Eingabeüberprüfungen zurückzuführen sind. Werden solche nämlich vollumfänglich und richtig umgesetzt, dann lassen sich klassische und bisweilen verhältnismässig simple Angriffstechniken wie SQL-Injection und Cross Site Scripting nicht ohne weiteres umsetzen. Eine Einführung in die Umsetzung von effektiven Eingabeüberprüfungen sind in den folgenden drei Beiträgen bereitgestellt:

Über den Autor

Marc Ruef

Marc Ruef ist seit Ende der 1990er Jahre im Cybersecurity-Bereich aktiv. Er hat vor allem im deutschsprachigen Raum aufgrund der Vielzahl durch ihn veröffentlichten Fachpublikationen und Bücher – dazu gehört besonders Die Kunst des Penetration Testing – Bekanntheit erlangt. Er ist Dozent an verschiedenen Fakultäten, darunter ETH, HWZ, HSLU und IKF. (ORCID 0000-0002-1328-6357)

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