3D Printing - Waffen aus dem Internet laden

3D Printing

Waffen aus dem Internet laden

Marc Ruef
von Marc Ruef
am 23. Juli 2020
Lesezeit: 13 Minuten

Keypoints

So laden Sie sich eine Waffe aus dem Darknet

  • Mit 3D-Druckern lassen sich Objekte herstellen
  • Hierzu wird eine Spuhle aus Plastik, das sogenannte Filament, verwendet
  • Eine Druckdatei definiert das zu druckende Objekt
  • Dieses muss statischen Anforderungen gerecht werden, die durch die Konfiguration des Druckauftrags optimiert werden können
  • Waffenteile müssen dabei stark belastbar sein
  • Beim Druck von Waffenteilen sind die jeweiligen Urheber- und Waffengesetze zu berücksichtigen

Computerkriminalität gilt naturbedingt als virtuell: Daten werden gestohlen und Systeme zum Absturz gebracht. Im Zuge dessen, was gemeinhin als Darknet bezeichnet wird, wird das Netz aber plötzlich auch zum Trägermedium für illegale Güter. Typischerweise sind dies Drogen und Waffen, die auf entsprechenden Marktplätzen getauscht oder gekauft werden. Der Versand erfolgt dann in rein analoger Weise ausserhalb des Darknets. Dieser Beitrag setzt sich mit illegalen Gegenständen auseinander, deren “Versand” dank 3D-Druck ebenfalls virtuell erfolgen kann.

Bei einem 3D-Drucker handelt es sich um eine Hardware, mit der 3-dimensionale Objekte gedruckt werden können. Typischerweise wird eine Spule mit Plastik, das sogenannte Filament, durch einen Extruder erhitzt. Dadurch wird es weich und kann so schichtweise aufgetragen werden. Nach dem Aushärten, dies dauert oftmals nur wenige Sekunden, behält es seine Form. Je nach eingesetztem Filament können dadurch langlebige Teile erzeugt werden.

3D-Druck, der hier diskutiert wird, wurde erstmals 1974 umschrieben und 1981 die ersten Gehversuche der Technik umgesetzt. In den 2000er Jahren konnte sich der Begriff Additive Manufacturing, der das Prinzip gut umreisst, etablieren. Mittlerweile gibt es verschiedene Hersteller von 3D-Druckern, die Geräte unterschiedlicher Qualität und Preisklassen zur Verfügung stellen. Jeder Druck beginnt in der Regel mit dem Einspielen eines 3D-Modells als Druckvorlage.

Druckvorlagen herunterladen

⚠️ Hinweis: Das Herunterladen von Druckvorlagen ist in der Regel, sofern die Urheber- und Lizenzrechte respektiert werden, auf juristischer Ebene nicht eingeschränkt. Dies gilt jedoch nicht für den Druck von bestimmten Gegenständen. Die hier diskutierten Schuss- und Stichwaffen unterliegen je nachdem nationalem Waffenrecht. Siehe den entsprechenden Absatz im Verlauf des Beitrags.

Im Internet gibt es eine Reihe von Seiten, die Druckdateien von 3D-Objekten zum Download anbieten. Eines der bekanntesten ist Thingiverse von Makerbot. Dort können eigene Modelle hochgeladen und anderen Nutzern angeboten werden. Diese können die Modelle dann herunterladen, kommentieren und ihre eigenen Makes präsentieren. Ein Remixing, also ein Aufbauen auf einem bestehenden Modell, wird in der Regel gefördert.

Die Bilder illustrieren, dass auch Waffen und Waffenteile zu finden sind. Das gezeigte Butterfly-Messer ist in der Schweiz verboten, wohingegen das Banana-Magazin gedruckt werden dürfte.

In der Schweiz verbotenes Butterfly-Messer auf Thingiverse Banana-Magazin für .22 lfB auf Thingiverse

Viele Plattformen mit freien Druckvorlagen fördern das Geben von Trinkgeld (engl. tips) an die Anbieter. Auf manchen Plattformen werden die Vorlagen jedoch kommerziell angeboten. Wer eine solche herunterladen und verwenden möchte, muss sie zuerst kaufen.

Technische Herausforderungen

Obschon davon ausgegangen werden kann, dass ein 3D-Druck sehr simpel erfolgen kann und sich deshalb auch durch Laien umsetzen lässt, sind gewisse Herausforderungen gegeben.

Diese beginnt mit der Erstellung eines funktionstüchtigen und qualitativ hochwertigen 3D-Modells. Gerade wenn grössere Objekte gedruckt werden wollen, müssen statische Eigenschaften berücksichtig und gegebenenfalls optimiert werden. Durch Supportmaterial kann während des Drucks zusätzliche Stabilität geschaffen werden. Diese überschüssigen Teile werden nach der Aushärtung entfernt, meist abgebrochen, geschnitten oder geschliffen.

Viele Entwickler sind sich dessen jedoch nicht bewusst, was zu qualitativ minderwertigen Modellen führt. Diese müssen entweder vor dem Druck selbst nachgebessert werden. Oder man kann versuchen mit der Optimierung der eigenen Druckeinstellungen die gewünschte Robustheit zu erlangen. Durch den Beginn des Drucks mit einem Raft – eine Art Grundplatte – kann eine solide Grundlage für die Balance des Objekts und die Gleichmässigkeit der ersten Schicht gelegt werden. Diese klebt meist stark an der Grundplatte, wodurch zudem ein Verschieben während der abrupten Druckbewegungen verhindert werden kann. Elemente mit Aussparungen und Überhang können durch das Aktivieren von Support-Material gestützt werden, sofern sich deren Druck nicht durch ein Drehen vereinfachen lässt. Und durch Einbringen und Optimieren von Infill kann die Robustheit der Struktur erhöht werden. Für rein optische Elemente reichen 10% oder 20% Infill. Stark belastbare Teile erfordern höhere Werte, wodurch sie schwerer werden und der Druck länger dauert.

Supportmaterial für diese Schusswaffe ist knapp bemessen

Falls man selber keine 3D-Modelle ausarbeiten möchte oder kann, muss man auf die Arbeiten anderer zurückgreifen. Diese werden auf öffentlichen, kommerziellen oder eingeschränkten Plattformen gehandelt. Manche Modelle sind frei verfügbar, andere müssen für teures Geld gekauft werden. Manchmal ist es als Konsument nicht einfach, das richtige Modell zum fairen Preis zu finden. Dies gilt besonders für Waffenkomponenten, an die hohe Anforderungen gestellt werden.

Der Druck an sich, sofern denn die kompatiblen Dateien heruntergeladen wurden – zum Beispiel muss das Slicing dem eingesetzten Extruder entsprechen -, gestaltet sich eigentlich einfach. Nachdem der Druckauftrag an das Gerät übergeben wurde – viele Drucker unterstützen Netzwerkzugriffe oder USB-Sticks -, beginnt dieses nach einer Aufwärmphase mit dem Druck. Doch auch hier darf man potenzielle Probleme nicht unterschätzen. Der Abfall von Temperaturen aufgrund fehlerhafter Lüfter ist genauso ärgerlich wie die Verunreinigung des Extruders. Es ist nicht unüblich, dass man im Rahmen der Wartung oder Reparaturen einzelne Teile auseinandernehmen und reinigen muss. Dies geht weit über die Notwendigkeit traditioneller Papierdrucker hinaus.

Verstopfter Extruder muss zerlegt und gereinigt werden

Viele der Waffenteile müssen bei der Anwendung enorme Kräfte aushalten. Gerade Schusswaffen müssen zudem mit einer explosionsartigen Hitzeentwicklung zurechtkommen. Deshalb ist es nicht unüblich, dass viele der Modelle nach einmaligem Gebrauch nicht mehr, nur noch unzuverlässig oder mit arg geminderter Genauigkeit eingesetzt werden können. Vor allem dann, wenn herkömmliches PLA oder das geringfügig verbesserte PLA+ eingesetzt wird.

Aus diesem Grund wird besonders hier auf das sogenannte Tough PLA gesetzt. Dieses ist elastischer bzw. kann bei Bedarf nachgeben, ohne direkt zu brechen oder splittern. Um mit Hitzenentwicklung umgehen zu können, wird ABS, Nylon oder Onyx bevorzugt. (siehe Tabelle)

Druckmaterial Stärke Steifheit Beständigkeit Druckbarkeit Hitzeresistenz Chem. Resistenz
PLA/PLA+ (3) mittel (3) mittel (1) sehr gering (4) hoch (0) keine (1) sehr gering
ABS (2) gering (2) gering (2) gering (3) mittel (2) gering (1) sehr gering
Nylon (1) sehr gering (1) sehr gering (4) hoch (2) gering (1) sehr gering (4) hoch
Gefülltes Nylon / Onyx (3) mittel (3) mittel (4) hoch (3) mittel (3) mittel (4) hoch

Druck einer Abdeckung für die Buffer Tube einer Maschinenpistole

Rechtliche Rahmenbedingungen

Die rechtlichen Bestimmungen sind länderspezifisch. Es ist unmöglich einen aktuellen und akkuraten Überblick gewähren zu können. Exemplarisch werden einige Länder und ihre Herangehensweise diskutiert. Es wird sich ausschliesslich auf die Aspekte des Waffenrechts fokussiert. Potentiell ebenfalls tangierte Aspekte des Urheberrechts werden an dieser Stelle nicht berücksichtigt.

In der Schweiz gilt das Bundesgesetz über Waffen, Waffenzubehör und Munition (Waffengesetz). In diesem Wird in Paragraf 4, Artikel 1 festgehalten, welche Voraussetzungen für den Waffenhandel gelten. Massgeblich ist der Absatz:

Wer gewerbsmässig Waffen, wesentliche oder besonders konstruierte Waffenbestandteile, Waffenzubehör, Munition oder Munitionsbestandteile erwirbt, anbietet, weitergibt oder vermittelt, benötigt eine Waffenhandelsbewilligung.

Wer eine Waffe mit dem 3D-Drucker ohne Waffenhandelsbewilligung herstellt, macht sich strafbar. Falls eine solche vorhanden ist, sind die Einschränkungen zu beachten. Paragraf 2, Artikel 5 regelt die generellen Verbote im Zusammenhang mit Waffen, Waffenbestandteilen und Waffenzubehör. Festgehalten werden:

Das Rechtsverständnis in Deutschland, das durch das Waffengesetz (WaffG) geregelt wird, setzt dies sehr ähnlich um. Bei legal hergestellten Waffen wird zudem laut Beschussgesetz (BeschG) eine Beschussprüfung durch das Beschussamt erforderlich, um das erforderliche Beschusszeichen zu erhalten. Gedruckte Schusswaffen können diese in der Regel nicht bestehen.

Die USA kennen zudem den Undetectable Firearms Act von 1988. Dieser verbietet die Herstellung von Waffen, die durch einen begehbaren Metalldetektor nicht identifiziert werden können. Darunter fallen eigentlich ebenfalls die auf Plastik basierenden Filamente des 3D-Drucks. Waffen, die aufgrund ihrer Beschaffenheit in einer mit Metall gestützten Form legal wären, sind es dann nicht.

In den meisten Ländern drohen hohe Bussen oder mehrjährige Haftstrafen bei der Verletzung des Waffenrechts. Vielerorts wird diskutiert, ob eine Anpassung dessen auf Grund der Entwicklungen im Bereich 3D-Druck erforderlich sind. Die meisten Parteien sprechen sich vorerst gegen ein Verbot von Druckvorlagen aus. Als Argument wird gern ins Feld geführt, dass die Herstellung zu kostenaufwändig ist und die Resultate zu schlecht sind. Es kann also sein, dass mit der Verbesserung der Drucktechnologien dieses Thema doch noch wieder konkreter diskutiert werden muss.

Fazit

3D-Druck ist ein Thema, das uns schon länger begleitet. Die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt, haben in den letzten Jahren verschiedene Bereiche revolutioniert oder werden dies noch tun. Das Herstellen von Waffen wird damit nun aber plötzlich auch im heimischen Arbeitszimmer möglich. Mit einer guten Druckvorlage lassen sich Stich- und Schusswaffen herstellen. Hierbei gibt es zwar einige technische Herausforderungen, die sich jedoch mit genügend Wissen und Erfahrung adressieren lassen. Dabei gilt es zu bedenken, dass die jeweiligen Waffengesetze in der Regel die Herstellung von Waffen verbieten. Hohe Geld- oder Gefängnisstrafen werden angedroht.

Über den Autor

Marc Ruef

Marc Ruef ist seit Ende der 1990er Jahre im Cybersecurity-Bereich aktiv. Er hat vor allem im deutschsprachigen Raum aufgrund der Vielzahl durch ihn veröffentlichten Fachpublikationen und Bücher – dazu gehört besonders Die Kunst des Penetration Testing – Bekanntheit erlangt. Er ist Dozent an verschiedenen Hochschulen, darunter ETH, HWZ, HSLU und IKF. (ORCID 0000-0002-1328-6357)

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