Interview zur emotionalen Bindung zu Chatbots

Interview zur emotionalen Bindung zu Chatbots

Dienstag, 6. Oktober

Im Rahmen eines Interviews hat Marc Ruef verschiedene Fragen zu Künstlichen Intelligenzen und Chatbots beantwortet. Dabei geht es in erster Linie um die emotionale Bindung, die von diesen angestrebt wird, mit welchen Tricks dabei gearbeitet wird, wie das menschliche Gegenüber diese wahrnimmt und wie sie sich über die Zeit entwickelt. Lesen Sie das Interview hier.

Viele Chatbots fragen ständig nach, wie es einem geht und ob man sie mag. Welcher Typ Mensch nimmt solche Dialoge ernst und fühlt sich dadurch geschmeichelt?

Dieser Mechanismus ist altbekannt und wurde schon bei ELIZA, einem der ersten Chatbots aus den 60er Jahren, eingesetzt. Personen mit einem geringen Verständnis für die technischen Hintergründe lassen sich dadurch beeindrucken. Mindestens für ein paar Minuten. Schnell wird aber das Konzept durchschaut, weshalb in einem zweiten Schritt gerne versucht wird, den Bot in die Irre zu führen und sprachlich bzw. argumentativ zu überlisten.

Was macht das ständige Nachfragen mit uns? Finden wir es wirklich attraktiv, wenn der Chatbot immer sofort auf uns reagiert?

Das Nachfragen soll uns in den Mittelpunkt rücken. Und uns zu einer Reaktion bewegen. Es ist nämlich für einen Bot viel schwieriger, selbst auf Fragen zu reagieren. Deshalb werden bevorzugt Fragen gestellt, um das Risiko für eigene Antworten, die qualitativ minderwertig ausfallen können, zu minimieren.

Manche Chatbots geben einem ständig Komplimente. Aber leben Komplimente nicht eigentlich genau davon, dass sie selten sind?

In der Tat haben verschiedene Eigenschaften Einfluss auf die Qualität eines Kompliments. Dazu gehören beispielsweise deren Anzahl, die emotionale Bindung zum Gegenüber und dessen Ehrlichkeit. So ist es nicht unüblich, dass nach 1-2 Komplimenten durch den Bot die Wahrnehmung für dessen Komplimente ändert. Plötzlich werden sie als plump, störend oder gar provokativ wahrgenommen. Es ist nicht unüblich, dass eine Person dann durch derbe Aussagen versucht den Bot zu verärgern. Viele Bots können pikiert darauf reagieren, fallen dann aber unmittelbar in den neutralen/freundlichen Gemütszustand zurück.

Suchen sich vor allem solche Menschen einen Chatbot als Freund, die sonst eher introvertiert sind?

Dies kann einer der Gründe sein. Dieser wird aber nicht ausreichen, um sich längere Zeit auf einen Chatbot einlassen zu wollen. Oftmals ist es einfach die Neugierde, was “neue Technologien” können. Im Bereich des Sprachverständnisses der Chatbot hat sich teilweise viel getan, weshalb Gespräche organischer, vielfältiger und unterhaltsamer ausfallen können. Dennoch sind für Nutzer schnell die Grenzen des Machbaren erreicht und der “Zauber” schwindet.

Marc Ruef

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