
20min Interview bezüglich Betrug auf Tiktok
Reverse Enkeltrick
Montag, 18. August 2025
Mit tränenerfüllten Augen und trauriger Miene schaut ein älterer Mann in die Kamera, dann folgen Videos diverser Tierbabys wie Kälbern und Schäfchen. Darunter ruft ein Text dazu auf, den Bauernhof zu unterstützen, um die Tiere vor dem scheinbar drohenden Aus zu bewahren. Der ausgewiesene Cybersecurity Experte Marc Ruef wird zu diesem internationalen Fall interviewt. Wie funktioniert die Betrugsmasche “reverse Enkeltrick” und was kann dagegen unternommen werden? 20min Interview, Mimikama.
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Wie funktionieren solche Scams psychologisch bzw. auf emotionaler Ebene?
Das Prinzip ist einfach: Durch die niedlichen Tiere wird Aufmerksamkeit erlangt. Die Geschichte mir ihrer Pseudo-Authentizität ruft zur Unterstützung auf, um sich für die emotional empfangene Zuwendung zu revanchieren. Likes, Käufe oder Spenden sollen so erhascht werden.
Welche typischen Mechanismen (z. B. Mitleid, Dringlichkeit, Schuldgefühle) nutzen die Betrüger, um Menschen zu einer Handlung zu bewegen?
Da gibt es eine ganze Spannbreite von Mechanismen. Mitleid und Schuldgefühle sind beliebte Konzepte, die immer funktionieren. Und suggerierte Dringlichkeit kann dabei helfen, die Reaktion schneller zu provozieren, ohne dass lange über deren Richtigkeit nachgedacht wird.
Woran können Nutzerinnen und Nutzer erkennen, dass es sich um einen Scam handelt?
Bei aus fremdem Material zusammengeschnittenen Sequenzen fällt gern die Inhomogenität auf: Unterschiedliche Kameras und Kameralinsen, voneinander abweichende Farbgebungen und nicht zusammenhängende Hintergründe sind typisch hierfür.
Welche konkreten Schritte empfehlen Sie, um sich vor solchen Betrugsmaschen zu schützen?
Konten, ihre Inhalte und Follower sollten genauestens geprüft werden, bevor Käufe oder Spenden getätigt werden. Im Zweifelsfall setzt man sich lieber für eine etablierte Hilfsorganisation ein, bei der man sicher sein kann, dass das Geld auch wirklich dort zugutekommt, wo es gebrauch wird.
Gibt es aus Ihrer Sicht genügend Aufklärung und Schutzmechanismen seitens der Plattformbetreiber?
Auf X haben sich die “Community Notes” als sehr nützlich hervorgetan. Nutzer können Beiträge für alle mit einem kritischen Kommentar versehen. Wenn dieser von verschiedenen Mitgliedern akzeptiert wurde, wird er fester Bestandteil des Posts. So können sehr konsequent unwahre Inhalte als solche gekennzeichnet und in Kontext gebracht werden. Ein Ansatz, von dem auch andere Plattformen profitieren könnten.
Links
- https://scip.ch/publikationen/flyer/scip_company-flyer_plusTeams_2024_v01-de.pdf
- https://www.20min.ch/story/103396442
- https://www.mimikama.org/betrug-mit-tier-mitleid-und-fake-lebenshoefen/
- https://www.scip.ch/?team.maru
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