
20min Interview zu Downtime bei Webland
Dienstag, 16. Dezember 2025
Webland hat seit über zwei Wochen grosse Hosting- und Service Ausfälle. Keine erfreuliche Erfahrung für alle Kunden des Hosters. Viele Websites und E-Mail-Dienste sind betroffen. Der renommierte Cybersecurity Experte Marc Ruef wird dazu befragt.
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Nach über zwei Wochen funktioniert Webland bei einem Teil der Betroffenen noch immer oder wieder nicht. Auslöser für das Ganze soll ein Hardware-Problem gewesen sein. Die letzten Tage war dann auch noch die Webland-Website down, scheinbar wegen eines Stromausfalls. Was sagen Sie zu dem Ganzen? Ist das plausibel oder steckt da mehr dahinter?
Aus der Ferne lassen sich nur Mutmassungen anstellen. Die bisher bekannt gewordenen Details, ihr Ablauf und die daraus resultierenden Geschehnisse sind jedoch plausibel. Ein Storage-Cluster-Defekt führt zu einem fragilen und instabilen System. Wird dieses dann auch noch durch einen Stromausfall unerwartet heruntergefahren, kann eine Wiederherstellung sehr zeitaufwendig oder gar teilweise verunmöglicht werden.
Viele Betroffene vermuten, dass gespart und lange nicht mehr in die Infrastruktur investiert wurde. Was meinen Sie hierzu?
Ausfallsicherheit, redundante Systeme und die Verfügbarkeit aktueller Backups ist bei einem professionellen Hoster eigentlich zu erwarten. Dass die Wiederherstellung des Normalzustands so viel Zeit in Anspruch nimmt, deutet auf ein gravierendes Problem hin. Kritische Systeme sollten innert 24-48 Stunden wieder verfügbar sein können.
Auch von Software Engineers kommt Kritik: Dieser Ausfall sei grobfahrlässig, da Webland keine Ausfallsicherung zu haben scheint. Fehlen tatsächlich Hardware-Redundanzen, Backups, Generatoren?
Ausfälle gehören in IT-Umgebungen dazu. Als Betreiber stellt sich daher immer die Frage, wie will man mit diesen umgehen. Das Überbrücken von Problemen oder die Gewährleistung einer schnellen Wiederherstellung sind kostenintensiv. Wird an dieser Stelle gespart, entspricht dies einem Pokerspiel: Im Idealfall gewinnt man – im schlechtesten Fall verliert man alles. Momentan deutet einiges darauf hin, dass man in gewissen Punkten das Risiko eines Ausfalls falsch eingeschätzt hat.
Es sind viele KMU betroffen, die nicht mehr richtig arbeiten konnte und deshalb viel Geld verloren haben. Einige haben bereits angekündigt, Schadensersatz geltend zu machen. Webland lehnt jedoch jegliche Haftung in den AGB ab. Haben die Betroffenen dennoch eine Chance?
Das Schweizer Vertragsrecht verbietet ganz klar den Ausschluss von «grober Fahrlässigkeit» (Art. 100 OR). Ob diese hier gegeben ist und wie sie sich nachweisen lässt, müssen Anwälte und Richter klären. Ich persönlich halte die Chance intakt, dass durch Geschädigte eine Kompensation eingefordert werden kann.
Webland hosted laut eigener Aussage 75’000 Domains. Können Sie irgendwie über den Daumen peilen, wie viel das gekostet haben muss? Respektive können Sie ein Beispiel machen, um das in Relation zu setzen?
Den finanziellen Schaden hochzurechnen ist schwierig. Aber es handelt sich hier definitiv um den grössten Ausfall eines Hosters in der Schweiz. Der Reputationsschaden ist gross und der Anbieter muss sich auf rechtliche Auseinandersetzungen gefasst machen.
Links
- https://scip.ch/publikationen/flyer/scip_company-flyer_plusTeams_2024_v01-de.pdf
- https://www.20min.ch/story/103467380
- https://www.scip.ch/?team.maru
- https://www.webland.ch/de-ch/index.php
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