Hackers - 20 Jahre Grossartigkeit

Hackers

20 Jahre Grossartigkeit

Dominik Bärlocher
von Dominik Bärlocher
Lesezeit: 12 Minuten

Zero Cool. Crash Override. Acid Burn. Cereal Killer. Das sind Namen, die Profis in der Information Security – manchmal von Medien und anderen Hacker genannt – peinlich berühren und trotzdem zum Lächeln bringen. Sie sind wohl der Grund warum manch einer von uns in der Branche ist. Weil, seien wir mal ehrlich, der Film Hackers aus dem Jahre 1995 ist grossartig.

Lord Nikon, Crash Override, Acid Burn und Cereal Killer

In diesem Jahr wird das Meisterwerk von Regisseur Iain Softley 20 Jahre alt. Der Film mit Kultstatus ist aber etwas seltsam. Er ist sowohl supergut aber auch furchtbar schlecht. Oft sogar aus den exakt selben Gründen. Was aber nicht bestritten werden kann, ist dass der Film massiven Einfluss auf das echte Leben hat.

Die grossartige Grässlichkeit oder die grässliche Grossartigkeit

Hackers ist die Geschichte von Dade Murphy (Jonny Lee Miller), der unter dem Decknamen Zero Cool 1507 vernetzte Computer an einem Tag hat abstürzen lassen. Der damals Elfjährige wurde vom Gericht verurteilt und darf bis zu seinem 18. Geburtstag keinen Computer mehr benutzen. Just an diesem Tag zieht Dade nach New York und schliesst seinen Computer ans Internet an. Er hackt einen Fernsehsender, denn irgendwie läuft grade nichts Gutes. Er nennt sich nun Crash Override und trifft im Netzwerk des Fernsehsenders auf einen anderen Hacker: Acid Burn (Angelina Jolie). Am nächsten Tag in der Schule trifft Date einen jungen Mann der sich selbst Phantom Phreak (Renoly Santiago) nennt, der ein Spezialist in Sachen Phreaking ist, also der Manipulation von Telefonen. Er macht sich schnell Freunde in der lokalen Hackerszene. Sein engster Freundeskreis bekommt aber Ärger, als einer der jungen Männer einen Gibson Supercomputer hackt, der dem Ölkonzern Ellingson Mineral gehört.

Sie sind jetzt also auf der Flucht vor dem FBI und ihr einziger Weg, ihre Unschuld zu beweisen, ist es, den bösen Plan des Ellingson Mineral Computer Security Officers. Das ist ein Mann namens The Plague.

Gegen den Film spricht einiges: Die Schauspielerei ist nicht gerade oscarverdächtig, die Story ist bestenfalls unglaubwürdig und schlimmstenfalls kompletter Blödsinn. Jedes Mal, wenn ein Bildschirm gezeigt wird, ist der Film surrealistisch absurd.

Filesystem des Gibson

Operating System des Gibson

Kernel des Gibson

Der Da Vinci Wurm

Dann ist da noch die Tatsache, dass unsere Helden Inline Skates fahren. Überall hin. Der böse Computer Security Officer hingegen fährt Skateboard.

Der Film ist alles andere als zeitlos und fix in den 1990er angesiedelt. Er zeigt die Hackerkultur genau so, wie sie niemals war. Cyberpunk-Mode hat sich nicht durchgesetzt und bis dato ist mir kein Unternehmen bekannt, dass einen Serverraum hat, der einen wandfüllenden Bildschirm hat. Oder eine dermassen lächerliche Tastatur wie das in besagtem Serverraum. Auch ist es schwierig einen Company Kernel zu finden.

Wie kommt es dann, dass Leute, die offensichtlich keine Ahnung von Computern haben, einen der besten Hacker-Filme aller Zeiten gemacht haben? Die Grossartigkeit liegt in allem, das nicht Hacking ist.

Magic People, Voodoo People

Hackers war wohl für viele von uns in der Information Security eine Art Einstiegsdroge. Wir sind nun Erwachsene mit Existenzen, Familien und Haustieren. Aber vor 20 Jahren, im Jahre 1995 als Hackers erschienen ist, waren wir jung.

Die meisten von uns waren wohl schon damals begeistert von Computern. Vielleicht hatten wir sogar schon Windows 95. Vielleicht haben wir uns damals gefragt, welche technologische Wunder die Generation Pentium MMX bringen würde. Vielleicht wurden wir oft ausgelacht, weil wir uns die Nächte vor dem Computer um die Ohren geschlagen haben, nur damit wir Savegames von Command & Conquer – dem allerersten – manipulieren konnten und so am kommenden Tag mehr Tiberium und damit einen Vorteil im Spiel hatten.

Hackers hat uns gezeigt, dass wir nicht alleine sind. Wir müssen nicht Bayern München oder sonst eine Mannschaft cool finden, um cool zu sein. Unsere Helden waren nicht Lothar Matthäus, Mehmet Scholl und Oliver Kahn sondern Zero Cool, Cereal Killer und Acid Burn. Sie waren unbestreitbar cool. Sie trugen topmodische Kleidung, waren hochintelligent und jede Maschine auf dem Planeten lag ihnen zu Füssen.

Erinnern Sie sich an die 1990er. Pager waren cool. Cereal Killer hatte einen. Inline Skates waren cool. Alle im Film hatten Inline Skates. Techno war noch nicht ganz auf dem Zenit, aber die Hackers hatten den Sound für sich entdeckt. Sie hatten sogar Konzerte in einem Club, wo Backstage zwei Hacker mit ihrer eigenen Fernsehshow – Razor und Blade – gelebt haben. Da war sogar mehr als ein Club für Hacker! Clubs! Plural! Und sie waren cool. Die Hackers waren Menschen, die verstehen, wieso wir uns Nächte vor dem Bildschirm um die Ohren geschlagen haben, in eine schier unendlich lange Textdatei zu starren, nur damit wir am Ende etwas vollbracht hatten, das eigentlich nicht hätte vollbracht werden sollen.

Hackers hat nicht nur aufgezeigt, dass Nerds cool sein können, sondern der Film war auch recht inspirierend. Konnte ein Computer wirklich all das tun? Können wir Computer mit den Telefonnetz verbinden? Kann ich in einen Computer eindringen, der nicht mir gehört? Denken Sie daran, das war 1995 und unsere Modems machten immer noch eine Menge Lärm.

Wir waren trotzdem inspiriert. Nicht, damit wir irgendetwas stehlen oder jemandem Schaden zufügen konnten, auch wenn Zero Cool und seine Freunde eine Unzahl an Verbrechen begangen haben. Sie taten es aus den richtigen Gründen, oder so. Illegal bleibt illegal, daran ist nichts zu rütteln, auch wenn es in Hollywood manchmal schon ein bisschen cool ist, ausserhalb des Gesetzes zu agieren. Das funktioniert aber nur im Film und auch die besten Gründe entschuldigen keine Kriminalität. Aber die Frage kam auf: Könnten wir mit unseren Computern Gutes tun, indem wir die Maschinen so benutzen, wie sie nicht benutzt werden sollten?

Die Geschichte zwischen Hackers im Jahre 1995 und uns im Jahre 2015 zeigt, dass sich diese Gedanken gelohnt haben. Neugierde ist eine tolle Sache. Ein gewisser Grad an krimineller Energie und unkonventionelle Kreativität sind super. Denn genau das, das Nutzen von Computern in Wegen wie sie keiner vorgesehen hat, zahlt unsere Löhne.

Oder, um es in den Worten Razors aus dem Film zu sagen:

Remember, hacking is more than just a crime. It's a survival trait.

Hackers hat uns gezeigt, was wir sein können. Darum blicken wir auf diesen glorreich schlechten Film mit Nostalgie und Liebe zurück. Wir schauen ihn uns an regnerischen Sonntagnachmittagen mit unserer Familie an, die während den ganzen 107 Minuten an unserem Verstand zweifelt. Aber es gibt halt kaum etwas Besseres, als Zero Cool das Credo rufen zu hören, das uns allen einst Gänsehaut beschert hat.

Hack the Planet!

Über den Autor

Dominik Bärlocher

Der Journalist Dominik Bärlocher ist seit 2006 im IT-Bereich tätig. Während seiner Arbeit als Journalist bei grossen Schweizer Zeitungen sind ihm seine Recherchefähigkeiten und seine IT-Affinität immer wieder zu Hilfe gekommen. Bei scip AG führt er OSINT Researches durch und betreibt Information Gathering.

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