Facebook - Nutzen und Risiken für normale Benutzer

Facebook

Nutzen und Risiken für normale Benutzer

Marc Ruef
von Marc Ruef
Lesezeit: 4 Minuten

Soziale Netzwerke haben sich in den letzten Jahren zu einem festen Bestandteil unserer Informationsgesellschaft entwickelt. Allen voran die kalifornische Firma Facebook, die unter www.facebook.com eine Plattform für den alltäglichen Informationsaustausch unter Freunden und Familie anbietet. In den aktuellen Statistiken der Webseite werden mehr als 400 Millionen aktive Nutzer gezählt, wobei sich davon rund 50 % jeden Tag einloggen und 9 % ihren Status aktualisieren. Pro Monat werden 3 Milliarden Fotos hochgeladen und 3.5 Milliarden Events erstellt. Die meist jungen Benutzer verbringen sodann im Schnitt 55 Minuten pro Tag auf Facebook. In diesem Beitrag sollen sowohl die Vorteile als auch die Risiken von sozialen Netzen am Beispiel von Facebook aufgezeigt werden.

Vorteile sozialer Netze

Die ursprüngliche Kritik gegen Facebook lag ursprünglich darin begründet, dass das Pflegen der Kontakte im virtuellen Raum nur unnötig die persönlichen Kontakte einschränken würde. Obwohl dieser Punkt nicht einfachso übergangen werden darf, erschliessen sich mit sozialen Netzen neue Möglichkeiten und Qualitäten der Kontaktpflege. Durch die Zentralisierung des Datenaustauschs wird es sehr einfach und effizient möglich, über Geschehnisse aus dem eigenen Leben berichten sowie sich in Bezug auf seine Verwandten und Freunde auf den neuesten Stand bringen zu können.

Dank den multimedialen Möglichkeiten des Dienstes kann man sich nach Herzenslust ausdrücken. Durch stetige Statusupdates informiert man über aktuelle Beschäftigungen. Durch eigene Fotoalben lässt man sein Umfeld an seinem Urlaub teilhaben. Und mit dem Posten von Links oder Videos kann man seine Freunde über News und Lustiges informieren.

Da mit Facebook eine zentrale Anlaufstelle für die Kontaktaufnahme geschaffen wurde, wird damit ebenfalls sehr einfach die Wiederaufnahme längst verloren geglaubter Kontakte möglich. Zum Beispiel weit entfernte Verwandte, die man höchstens alle paar Jahre bei einem Familientreffen sieht. Oder Freunde, die mittlerweile weggezogen sind und man deshalb nur noch selten hört. Oder halt eben alte Bekannte aus der Schulzeit, die man nach und nach aus den Augen verloren hat.

Risiken und Gefahren

Facebook ergänzt die Möglichkeiten, die durch vorangegangene Technologien – zum Beispiel Email und Blogs – eingeführt wurden. Doch mit jeder neuen Möglichkeit gehen ebenfalls Risiken einher. Facebook als Unternehmen ist Herr über eine Vielzahl an sehr persönlichen und privaten Daten. Seien dies nun Grundinformationen, wie Namen und Anschriften. Aber auch erweiterte Details wie Kommunikationsbeziehungen und Fotos. Das Unternehmen ist aus diesem Grund sowohl juristisch als auch moralisch einer gewissen Sorgfaltspflicht im Umgang mit den Daten unterworfen. Die jeweiligen Datenschutzbestimmungen erfordern, dass die persönlichen Informationen nicht ohne weiteres weitergegeben, verloren gehen oder missbraucht werden.

Doch gerade ein Programmierfehler hat zum Beispiel in der Nacht zum 30. März 2010 dazu geführt, dass sämtliche Mailadressen aller Facebook-Benutzer für rund 30 Minuten für jedermann im Internet einsehbar waren. Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Und ein Fehler dieser Art wird auch in Zukunft nicht gänzlich zu verhindern sein. Facebook nimmt es sowieso nicht immer ganz genau, wenn es um den Respekt vor den Daten ihrer Benutzer geht. Die Privacy Policy wurde in den letzten Monaten immer wieder aufgeweicht und gewährt damit Facebook und ihren Partnern zunehmends Kontrolle über die schützenswerten Daten. Doch die Nutzer fangen langsam an zu realisieren, in welche Abhängigkeit sie sich da begeben haben und beginnen sich darum zu bemühen, dieser entgegenzutreten.

Betrachtet man die Profile der einzelnen Benutzer, erschliesst sich oftmals die enorme Naivität, mit der da persönliche Daten herausgegeben werden. Die Generation Internet ist sich der Risiken dieser Freigiebigkeit nicht (mehr) bewusst. So beginnen mittlerweile auch Kriminelle die Möglichkeiten von sozialen Netzen für ihre Zwecke zu nutzen. Durch das Einsehen von Fotos und das Erfahren von Freizeitgewohnheiten können lohnenswerte Objekte identifiziert werden. Die Seite pleaserobme.com ist gar darum bemüht, eine automatisierte Auswertungen öffentlicher Informationen vorzunehmen, um potentiell leerstehende Häuser zu identifizieren.

Fazit

Soziale Netze ermöglichen eine umfassende, schnelle und unkomplizierte Kontaktaufnahme mit seinem Umfeld. Gerade wer einen grossen und weitläufigen Bekanntenkreis pflegen möchte, wird die neuen Möglichkeiten zu schätzen wissen. Doch die Herausgabe von persönlichen und privaten Informationen birgt auch Risiken in sich. Facebook als Unternehmen könnte diese Daten missbrauchen oder versehentlich öffentlich machen. Oder Personen mit kriminellen Energien bemühen sich anhand der zugänglich gemachten Daten um eine umfassende Auswertung einer Zielperson bzw. eines Zielobjekts. Ein Einbruch kann umso besser vorbereitet werden, wenn im Fotoalbum das Wohnzimmer (inkl. teurem Plasma-Fernseher) dargestellt und in der letzten Statusmeldung der 2-wöchige Urlaub in Hawaii angekündigt wird. Eine Datenklassifizierung („Wem will ich welche Information zugänglich machen?“) sowie das Durchsetzen granularer Freigabeeinstellungen für Daten werden damit für jeden Nutzer solcher Dienste unabdingbar.

Über den Autor

Marc Ruef

Marc Ruef ist seit Ende der 1990er Jahre im Cybersecurity-Bereich aktiv. Er hat vor allem im deutschsprachigen Raum aufgrund der Vielzahl durch ihn veröffentlichten Fachpublikationen und Bücher – dazu gehört besonders Die Kunst des Penetration Testing – Bekanntheit erlangt. Er ist Dozent an verschiedenen Hochschulen, darunter ETH, HWZ, HSLU und IKF. (ORCID 0000-0002-1328-6357)

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